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Michels oder Die Stimme des Mondes (1)

Quiet is the new loud ... Jetzt, im Sommer 2003, scheint die Zeit reif zu sein, einen der "unsung heroes" der deutschen Pop-Geschichte dem Vergessen zu entreißen: MICHELS. Seit seinen Anfängen in den späten Sixties mit der Kultband "Percewood's Onagram" gehört der deutsche Singer/Songwriter zu den Solitären der Szene. Wobei er sich freilich immer jenseits des großen Trubels rumtrieb, ähnlich wie die Pop-Legenden Tim Hardin, Tim Buckley oder Nick Drake, die in den letzten Jahren ein postumes Comeback erlebten. Als es den Sänger und Gitarristen Mitte der Siebziger für einige Monate nach Kalifornien zog, entstand dort ein zeitloses Album, das sich bald zum ewigen Geheimtip der Folk-Rock-Szene entwickeln sollte: "Full Moon California Sunset". Die "Vollmond"-Platte festigte MICHELS' Ruf als "master of handmade rock music" ("Rolling Stone") nicht nur in den USA.

Wobei für Wolfgang MICHELS Mitte der Sixties noch Großbritannien als das "gelobte Land" galt: die Heimat der Beatles & Rolling Stones, der Kinks & The Who. Schon 1968 hatte der blutjunge Musiker dort einen kleinen Hit gelandet, mit einem Song, den er als One-Man-Band zuhause auf Band aufgenommen hatte: "Desert Walker". Unter dem Namen "One Plus None" hatte er das Tape an die BBC geschickt. Und dort war der Song Ende Mai 1968 zwischen den neuesten Hits von den Rolling Stones ("Jumpin' Jack Flash") und Donovan ("Hurdy Gurdy Man") in den Charts aufgetaucht. Kurze Zeit darauf erschien auf dem eigenen "Virgin"-Label auch die erste EP von "One Plus None". Und das lange bevor Richard Branson seine "Virgin"-Firma gründete und Jean-Luc Godard seinen definitiven Stones-Film "One Plus One" drehte.

Irgendwie muß damals auch Alexis Korner, der "Vater des Weißen Blues" und Mentor der Rolling Stones, von dem One-Hit-Wonder aus Germany - ausgestattet mit einer Liverpooler Großmutter! - erfahren haben, denn bald darauf erhielt MICHELS einen Anruf aus London. Korner lud ihn nach Swinging London ein. Ermuntert von Korner, gründete MICHELS zusammen mit dem Pianisten Klaus Kaufmann, dem Schlagzeuger Ludi Ludwig und Eddy Muschketat "Percewood's Onagram". Die ersten Aufnahmen der "Underground"-Band par excellence entstanden im Wohnzimmer von Kaufmann und im "Beat Club"-Studio von Radio Bremen. Alexis Korner ließ es sich nicht nehmen, für die Debüt-LP von "Percewood's Onagram" die Liner-Notes zu schreiben: "Ein seltsamer Sound - sehr stark sehnsüchtig - mit dem Feeling der späten Zwanziger, dem Feeling von Isherwoods 'Goodbye To Berlin'. Aber was es für mich merkwürdig machte, war, daß er außerdem ein bißchen was von Dylan hatte, ein bißchen von Jagger, ein bißchen von The Band und ganz viel von Dir!" Dieser seltsame Mix aus "Cabaret", Stones & MICHELS, er ist vor allem hörbar bei "Sing This Song Together", dem Lieblingssong von Korner, vom 69er-Debütalbum "Percewood's Onagram".  

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