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Michels - live & acoustic

Delmenhorst, "Slattery's", 23. Oktober 2003
 
FOLKROCKER VERZÜCKTE FANS IM SLATTERY'S
Michels spielte alte und neue Stücke. Auf “Ramona from Roma” musste das Publikum bis zuletzt warten.
 
Von Thomas Breuer
 

Zwei leicht überreife Bananen, ein kalter Kakao und eine Zigarette. Derart gestärkt ging Wolfgang Michels sein erstes Heimspiel seit vielen Jahren an. Mehrere Hundert Fans wollten im Slattery’s den Songwriter, Sänger und Gitarristen erleben, dessen komplettes Werk gerade von Warner Music wieder veröffentlicht wurde. Die aktuelle Tour hat dem sensiblen und deshalb bisweilen distanziert wirkenden Künstler viel Zuspruch gebracht, und das war hier nicht anders.

 

“Vielleicht bestellt ihr euch einen kleinen Drink, dass ihr in Stimmung kommt”, hatte Michels kurz vor dem Auftritt seiner 82-jährigen Mutter geraten, die das Gastspiel mit einer Bekannten bis zur Hälfte verfolgte. Viele Fans gerieten auch ohne Getränk in Stimmung, als Michels den Abend mit “Love takes you everywhere” eröffnete. Zwei starke Musiker standen ihm zur Seite: Nils Tuxen, der dänische Gitarrenvirtuose, und der Bassist Benjamin Hüllenkremer.

 

“Hallo, meine kleine Heimatstadt”, grüßte Michels Delmenhorst, “die kleine, graue Arbeiterstadt”. Die Spannung war groß, und da wollte Michels’ Gitarre nicht nachstehen. Bereits beim ersten Song riss eine Saite. Mitstreiter Tuxen wechselte sie in Rekordzeit, dann ging’s problemlos weiter. Stück für Stück weckte das Trio Erinnerungen und Emotionen. Vor allem dank Michels’ sehnsüchtiger Stimme, die seine Songwriter-Qualitäten voll zur Entfaltung brachte.

 

Zu den vertrauten Klängen ihrer Jugend gingen viele aufeinander zu: “Bist du nicht…?” “Weiß du noch …?” Auch die Hauptperson suchte den Kontakt: “Kommt doch mal ein bisschen näher, damit ich euch kennen lerne!” Die Aufforderung fruchtete, doch es war eher ein Wiedersehen denn ein Kennenlernen. Davon zeugten einige Umarmungen zwischen Michels und Besuchern in der Pause.

 

Der Abend brachte über zweieinhalb Stunden Musik zum Zuhören, doch dass das Trio auch rockig kann, bewies es im zweiten Set. Gitarrenvirtuose Tuxen, der zwischen fünf Instrumenten wechselte, lieferte bei “Weeping the Blues into your Ears again” eine rasante Einlage, und Bassist Hüllenkremer verstand es, im geeigneten Moment den Druck zu erhöhen. “Deal together” machte Appetit auf das neue Michels-Album, das im Frühjahr 2004 erscheinen soll.

 

Richtig zur Sache ging es auch bei den vom mittlerweile ausgelassen-fröhlichen Publikum erklatschten Zugaben - so bei “I’ve got my Woman” vom 1969er Debütalbum der einstigen Michels-Band Percewood’s Onagram. In die Zugabe-Rufe mischte sich zunehmend die Forderung nach “Ramona from Roma”, und mit eben diesem kleinen Skandalstück, das eine Vision beschreibt, die den Papst in die Nähe der Mafia rückt, klang ein denkwürdiger Abend aus.

 
Delmenhorster Kreisblatt