Michels oder Die Stimme des Mondes (2)
Drei weitere Langspielplatten der ersten deutschen "Indie"-Band erschienen danach im Eigenvertrieb bis 1974: "Lessons For Virgins", "Tropical Brainforest" und "Ameurope". In dieser Zeit entwickelte der vorzügliche Gitarrist und Komponist MICHELS auch als Sänger seinen ganz eigenen Stil, wie der Musikwissenschaftler Manfred Miller in der Musikzeitschrift "Sounds" meinte: "MICHELS versucht nicht, Gesangsstile, die er kennt, nachzuahmen, vielmehr hat er die Essenz afro-amerikanischer Singweisen umgesetzt in seine eigenen Möglichkeiten. Der Mut und die Fähigkeit, sich mitzuteilen, ist entscheidend für die Wirkung des Sängers von 'Percewood's Onagram'." MICHELS' relaxter, fast "schwarzer" Gesang, er war beeinflußt von den Stimmen seiner frühen Jugend: Sam Cooke, Betty Everett oder Lee Dorsey, dessen "Holy Cow" MICHELS noch heute schwer begeistert. Das gesamte Material der populären Musik der letzten 10 Jahre - Folk, Rock, Beat & Soul - hatte "Percewood's Onagram" 1974 in den Ohren von "Sounds" zu einem "neuen Stil" verschmolzen - jenseits von "Krautrock" wie Can oder Maschinenmusik von Kraftwerk . Eher "kalifornisch" klang MICHELS' Psychedelic-Folk-Rock-Sound jedenfalls auf "Seeds For The Love" und "Waiting For The Spring", dem letzten Song, den er für "Percewood's Onagram" geschrieben hat, kurz vor dem Split der Gruppe Ende 1974.
1977 war das Jahr von Disco & Punk, aber auch von Fleetwood Macs "Rumours" & Eagles' "Hotel California". Genau im Sommer des Jahres erschien das erste Soloalbum von MICHELS: "Full Moon California Sunset". Schon im Oktober 1976 hatte MICHELS die Platte in den legendären kalifornischen "Pacific Recording Studios" unter der Regie des Produzenten John Nowland mit amerikanischen Musikern aufgenommen. Die Suche nach dem perfekten Song & Sound hatte MICHELS zu dieser Zeit ins musikalische "Exil" getrieben, nach San Francisco. Der "Spirit" von Neil Young sei damals noch in der Studioluft gelegen, meint MICHELS.
"Full Moon California Sunset" war MICHELS' ganz eigene, sehnsüchtige Vision von West Coast Rock: "... als ob man die Musik der Beatles nach Kalifornien getragen und dort weiterentwickelt hätte", meinte dazu der Musikkritiker Werner Burkhardt. Es war wohl der melodische Reichtum des Albums, der ihn zu dieser Bemerkung veranlaßt hat. Die später mit dem "Deutschen Schallplattenpreis" ausgezeichnete LP war gespickt mit Songperlen: "Love Takes You Everywhere", "Do You Still Dig It", "Weeping The Blues Into Your Ears Again", "Up On The Hill" oder "Cock Tail Bar Blues". Neben renommierten Musikern wie David Lewis Berger, Rich Girard, Peter Conant Schaffer, Mike Curotto und Steve Yelick sollte auch die Songwriter-Legende John Hartford ("Gentle On My Mind") - dessen letzte Platte MICHELS gerade produziert hatte - bei den "Full Moon"-Sessions mit dabei sein. In letzter Minute scheiterte diese Idee allerdings am Produktionsbudget.
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